Wer war Anna Plochl?

Erzherzog Johann von Österreich ist eine bekannte Figur in der steirischen und österreichischen Geschichte. Doch was ist mit seiner Frau, Anna Plochl? Ihre Liebesgeschichte ist besonders für die damalige Zeit ungewöhnlich und ein Vorbild für den Bruch gesellschaftlicher Normen.

Wer war Anna Plochl?

Anna Plochl, geboren am 6. Januar 1804 als Tochter des Postmeisters Jakob Plochl in Aussee, wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Tod ihrer Mutter kümmerte sie sich um ihre 12 jüngeren Geschwister. Sie galt als liebevoll und zurückhaltend – alles andere als eine „gute Partie“ für einen Erzherzog und Kaiserbruder. Johann, geboren 1782 als 13. Kind von Großherzog Leopold von Toskana, war ein vielseitig interessierter junger Mann, der sich für Naturwissenschaften, Geschichte, Landwirtschaft und die Förderung des einfachen Volkes begeisterte. Nach dem Tod seiner Eltern und trotz kaiserlicher Pläne für eine adelige Hochzeit fühlte sich Johann nicht den Zwängen der Heiratspolitik seines Standes verpflichtet. Er sehnte sich nach einer Verbindung „als Mensch, nicht als Fürst.“

1816 begegneten sich Johann und Anna zum ersten Mal flüchtig in Aussee, als Johann zum Bergsteigen in der Gegend unterwegs war. Drei Jahre später kamen sie erneut ins Gespräch, und nach und nach entwickelte sich eine Zuneigung, die jedoch aufgrund gesellschaftlicher Schranken und des Standesunterschieds jahrelang geheim gehalten werden musste. Johanns Bruder, Kaiser Franz, verbot die Beziehung zunächst und gestattete die Ehe erst 1829 unter der Bedingung, dass Johann auf alle dynastischen Ansprüche verzichtet.

Die beiden heirateten in einer nächtlichen, privaten Zeremonie in der Kapelle des Brandhofs, einem Bergbauernhof, den Johann 1818 erworben hatte und der zum Rückzugsort der beiden wurde. Johann hatte sich damit einen Platz fernab der höfischen Etikette geschaffen und widmete sich ganz seinem Interesse an Landwirtschaft und dem ländlichen Leben. Trotz ihres Liebesglücks musste Anna sich jahrelang dem Spott und den Vorurteilen der Gesellschaft stellen, da ein Habsburger Erzherzog, der eine Bürgerliche ehelichte, die strikte Klassenordnung infrage stellte.

Schließlich erhielt Anna 1834 den Titel „Freifrau von Brandhofen“ und später „Gräfin von Meran“. 1839 wurde das Paar Eltern eines Sohnes, Franz, der ebenfalls zum „Grafen von Meran“ ernannt wurde. Die beiden gründeten eine Familie, deren Nachkommen heute rund 1.200 Menschen in acht Generationen zählen.

Anna und Johann wurden zu einer Symbolfigur für Liebe, die gesellschaftliche Grenzen überwindet. Johanns Engagement für soziale Gerechtigkeit und seine Beziehung zu Anna spiegelten seinen Wunsch nach Gleichheit und Wandel wider – sowohl in politischer als auch privater Hinsicht. Ihre Beziehung zeigt, dass wahre Liebe Ausdauer und Mut erfordert und, trotz aller Widerstände, zur Verwirklichung von Träumen und einer gemeinsamen Zukunft führen kann.

Warum die Wohnungen nach Johann und Anna benannt sind

Der Name der fünf Wohnungen in Stainz ist kein Zufall: Er verweist auf genau dieses Paar, dessen Geschichte eng mit der Region verbunden ist. Der Brandhof, einst Rückzugsort von Johann und Anna, liegt nur eine kurze Fahrt entfernt, ebenso Schloss Stainz, das eine Ausstellung zum Leben des Erzherzogs zeigt.

Mehr zur Geschichte hinter dem Namen und den fünf Wohnungen: Johann und Anna.

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